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schwules und lesbisches coming out |
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<<< zurück Outen und Outcoming Können Amelotatisten von der Schwulenbewegung lernen? Eine oft gestellte Frage ist die Frage, wie Amelotatisten eine ähnliche Stellung in der Gesellschaft einnehmen können wie sie z.B. Schwule und Lesben heute innehaben. Ohne jetzt zu postulieren, daß Homosexualität in unserer Gesellschaft voll akzeptiert sei, kann man doch mit Blick auf die Medien behaupten, daß mittlerweile die öffentliche Diskriminierung dieser Personengruppe im Vergleich zu früher stark zurückgegangen ist. Es sind wesentlich nur die Ultrarechten und die klassischen Konservativen, die sich noch vehement gegen eine Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe wenden. Und auch wenn diese rechtsradikalen Tendenzen leicht steigen, kann man wohl nur mit massiver Gewalt das Rad der Geschichte zurückdrehen. Manche Amelotatisten sehen im Kampf der Schwulenbewegung etwas, das ihnen eine Perspektive aufzeigt, wie es A. vielleicht auch schaffen könnten, ihre derzeitige gesellschaftliche Stellung zu verbessern und von der Abstempelung als Perverse oder abartig Veranlagte wegzukommen. Ich habe da jedoch einige Bedenken, daß so etwas gelingen könnte, denn man darf nicht vergessen, daß es sich um doch recht unterschiedliche Phänomene handelt, wenngleich bei beiden die Ursachen weiterhin im Dunkeln liegen. Zum einen sind A. und Schwule zahlenmäßig unterschieden, es gibt mit Sicherheit eine mehrfach größere Zahl von Homosexuellen als A., wenn auch die tatsächliche Zahl der A. noch mehr im Dunkeln liegt als die der Schwulen und Lesben. Zum anderen bezieht sich die sexuelle und erotische Präferenz bei Homosexuellen auf die gleiche Gruppe, was einen Interessenkonsens bedingt, während A. sich um die Akzeptanz bei Amputierten bemühen, welche eine ganz andere gesellschaftliche Gruppe darstellen, die ihrerseits nicht auf A. angewiesen ist. Da liegt wohl der Hase im Pfeffer: Schwule brauchen Schwule, Amputierte brauchen keine Amelotatisten. Andererseits gibt es natürlich Elemente bei beiden Gruppen, die man durchaus vergleichen und vielleicht auch nutzen kann. Da sind z.B. die Begriffe Outen und Outcoming. Wenden wir uns zunächst dem letzteren der beiden Begriffe zu. Outcoming bedeutet im Kontext der Schwulenbewegung das sich zu seiner sexuellen Orientierung bekennen, es öffentlich zu machen. Outcoming beginnt i.d.R. erstmal im näheren Umkreis der Freunde, Kollegen und nicht zuletzt in der Familie. Weitergehendes Outcoming findet man eher bei prominenten Persönlichkeiten, die es der Presse gegenüber zugeben. Beim privaten Outcoming ist der Vergleich noch relativ gut nachzuvollziehen, ein öffentliches Outcoming als Amelotatist haben wir hierzulande noch nicht erlebt, zumindest nicht mit vollem Namen (die in Panorama interviewten A. wurden nicht mit vollem Namen genannt, teilweise sogar visuell und akustisch verfremdet). Persönliche Outcoming-Erlebnisse haben schon einige A. berichtet, teils wurden sie schnell akzeptiert, teils für etwas sonderbar gehalten oder auch radikal abgelehnt ("Ist ja abartig!"). Besondere Beachtung sollte hierbei das Outen gegenüber der eigenen Familie oder dem Partner finden, denn das ist ja immer eine riskante Sache, bei der eventuell eine Ehe oder Beziehung auf dem Spiel steht. Wir hören auch hier teils von Fällen, die vor dem Scheidungsrichter endeten (oftmals auch das Ergebnis, wenn kein Outcoming sondern eine Entdeckung durch den Ehepartner erfolgt), teil aber auch von weitgehender Akzeptanz und Verständnis. Die einhellige Mainung jener A., die ein positives Outcoming erlebt haben, ist aber, daß es für sie immer eine große Erleichterung gewesen ist. Outen ist eine gänzlich andere Sache als Outing. Outen bedeutet, jemanden als etwas enttarnen, das er selbst nicht zu sein zugibt. Das Outen von prominenten Schwulen, wie Teile der Schwulenbewegung es in der Vergangenheit praktiziert haben, ist eine umstrittene Sache, da es gegen den Willen der Betroffenen geschieht und diesen u.U. schwere Nachteile bringen kann. Nun gut, die Mehrzahl der geouteten Promis hat ihre Stellung nicht verloren und die Gesellschaft hat akzeptiert, daß Fernsehmoderatoren wie Alfred Biolek und Komiker wie Hape Kerkeling schwul sind, aber trotzdem ist das Verfahren immer noch eine nicht ganz faire Methode. Wenn man hingegen prominente A. outen wollte, dann müßte man erstmal definitiv wissen, wer tatsächlich A. ist. Und da fangen schonmal die Probleme an, denn es gibt keine vergleichbare Subkultur-Szene, in der man solche Leute einfach aufstöbern könnte und auch eine eventuelle Beziehung zu einer Amputierten wäre noch nicht Indiz genug. Ich sehe also in einem solchen Vorgehen wenig Chancen. Auch bringt es kaum etwas, Henry Miller zu zitieren, der sich in einem seiner Werke enthusiastisch über eine einbeinige Prostituierte äußerte, denn es gibt genug nicht-amelotatistisch veranlagte Männer, die einfach aus der Laune, mal was anderes zu erleben, einen sexuellen Kontakt mit einer Amputierten ausprobieren würden, ohne diese dabei wirklich attraktiv und begehrenswert zu finden. Was bleibt also in diesem Vergleich außer dem Outcoming, wenn es denn gelingt? Wenig, denke ich, bevor A. an die Öffentlichkeit gehen können, sollten sie sich eher darum bemühen, ihr negatives Image bei den Amputierten und anderweitig Behinderten abzubauen und dann mit diesen gemeinsam um eine stärkere Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen zu kämpfen, denn erst wenn diese gewährleistet ist, können A. auf größere Akzeptanz in der Geselschaft hoffen. G. Quelle: http://home.t-online.de/home/Amelo-Forum/index2.htm Amelotatismus - von Griechisch: a = "kein, nicht" und melos="Glied", bezeichnet in der Fachsprache die Vorliebe für Sexual-bzw. Lebenspartner, denen Gliedmaßen fehlen (i.d.R. durch Amputation). Quelle: http://home.t-online.de/home/Amelo-Forum/lexikon/lexikon.htm Anmerkungen des Herausgebers von www.gayfliegenpilz.de und www.gayfliegenpilz.at : "Amelotatismus/Devotee" ist eines der größten Tabus unserer Gesellschaft, egal ob in schwulen-, lesbischen oder heterosexuellen Kreisen. Der GAYFLIEGENPILZ will dieses Tabu durchbrechen. Dazu gehören Informationen ohne Vorurteile. Auch kontroverse Meinungen und Texte werden im GAYFLIEGENPILZ veröffentlicht, um einen emanzipatorischen Disput in Gang zu setzen. Siehe auch "Jo Wupper ist Cool" |